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11. Großer Patenabend des Bundessprachenamtes

Rund 250 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Bundeswehr, öffentlicher Verwaltung und Gesellschaft kamen am 8. März 2018 im großen Festsaal der Offizierheimgesellschaft Köln-Wahn zusammen, um gemeinsam den 11. Großen Patenabend des Bundessprachenamtes zu feiern.

Gäste aus aller Welt bestimmten das Bild des 11. Großen Patenabends
Gäste aus aller Welt bestimmten das Bild des 11. Großen Patenabends (Quelle: PIZ Personal/Andreas Metka)Größere Abbildung anzeigen

„So viele Gäste aus so vielen Ländern. Es ist ein tolles Bild“. Mit diesen Worten beschrieb die Vizepräsidentin des Bundessprachenamtes Maria-Anna Wessel gleich zu Beginn das besondere internationale Flair dieses Abends in der Wahner Offizierheimgesellschaft. Neben den Uniformen der zahlreichen hochrangigen Bundeswehrvertreter bestimmten die Uniformen von Soldaten aus aller Welt das internationale Bild des Großen Patenabends.

48 Offiziere aus 31 Ländern

Insgesamt 48 Offiziere aus 31 Ländern waren an diesem Abend zum Teil mit ihren Familien zum Großen Patenabend gekommen. Obwohl sie aus unterschiedlichen Ländern kommen, darunter das Kosovo, Algerien oder Indien, haben sie eines gemeinsam: Alle Offiziere werden ab Sommer den Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst International (LGAI) an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg besuchen.

Dazu lernen sie im Bundessprachenamt in Hürth bei Köln seit August 2017 Deutsch als Fremdsprache. Neben Sprachlehrern und Betreuungsoffizieren stehen ihnen Paten zur Seite. In der Regel deutsche Soldaten mit ihren Familien.

Alltags- und Sprachtrainer

Die Paten stehen den ausländischen Soldaten und ihren Familien bei den großen und kleinen Herausforderungen des Alltags zur Seite, vermitteln ihnen hautnah die deutsche Kultur und Lebensart und unterstützen auch beim Erlernen der deutschen Sprache.

„Sie lassen Deutschland lebendig und spürbar werden“, betonte der Abteilungsleiter Personal im Bundesministerium der Verteidigung, Generalleutnant Eberhard Zorn, in seiner Festrede die Bedeutung der Paten und dankte ihnen für ihr Engagement.

Kernauftrag Multinationalität

Zorn beschrieb in seiner Rede die multinationale Zusammenarbeit und verstärkte Integration als einen Kernauftrag der Bundeswehr in einer Welt, in der Frieden und Freiheit nicht selbstverständlich sind. Ohne den vernetzten Ansatz aller Ressorts, aber auch ohne eine gemeinsame multinationale Verantwortung für internationale Sicherheit seien die Situationen in Krisengebieten heute nicht zu bewältigen, stellte der Abteilungsleiter Personal fest.

Den ausländischen Lehrgangsteilnehmern, so Zorn, komme dabei eine besondere Multiplikatorenrolle in ihren Heimatländern zu: „Sie tragen künftig dazu bei, dass wir Deutschen besser verstanden werden und Sie sind unser internationales Netzwerk, auf das wir sicherlich immer wieder zurückgreifen werden, zum Beispiel bei Einsätzen.“

Erfahrener Pate

Generalleutnant Eberhard Zorn spricht an diesem Abend aus eigener Erfahrung. Er selber lernte Französisch als Fremdsprache und diente für zwei Jahre am französischen Collège Interarmées de Défense. „Ich ahne also, wie es ihnen heute und hier geht“, ermunterte Zorn die ausländischen Lehrgangsteilnehmer.

Zorn war aber auch Pate und berichtete begeistert von der Zeit, in der er mit seiner Familie einen ägyptischen Offizier und dessen Familie begleiten durfte.

Weltenbummeln von zu Hause aus

Oberstleutnant Andreas Günther ist ebenfalls ein erfahrener Pate. Der 56-Jährige ist Geologe am Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr. Er wurde per Zufall auf das Patenprogramm aufmerksam: „Ich habe vor mehr als zehn Jahren einen Sprachlehrgang in Hürth gemacht und dabei das Programm kennengelernt.“ Mittlerweile ist er seit 2007 jährlich dabei und hatte „Patenkinder“ aus aller Welt, von Mexiko über Jordanien bis Pakistan.

„Ich bin als junger Mann viel in andere Länder gereist und wurde immer herzlich aufgenommen. Davon möchte ich etwas zurückgeben“, beschreibt Günther seine Motivation „Und ein Stück weit“, ergänzt er, „kann ich so meine „Weltreisen“ fortsetzen.“ Weltenbummeln von zu Hause aus. Man sieht dem vierfachen Familienvater an, dass das für ihn etwas ganz Besonderes ist.

Von Jakarta an den Rhein

Oberstleutnant Günthers aktuelles „Patenkind“ ist Major Dion Aridito aus Indonesien. Der 35-jährige Luftwaffenoffizier ist Günthers „Jubiläumspatenkind“. Das Zehnte, wie der deutsche Oberstleutnant selbst ein wenig verblüfft feststellt. Major Dion Aridito ist mit seiner Frau Maria Kristiawati und seinen drei Söhnen aus Indonesiens Hauptstadt Jakarta an den Rhein gezogen.

Gut 11.000 Kilometer von ihrer südostasiatischen Heimat entfernt, haben sie in der Nähe von Hürth eine neue Heimat gefunden. Die 30 Minuten zum Bundessprachenamt fährt der Major gerne mit dem Fahrrad. „Das war eine ganz neue Erfahrung für mich, vor allem bei den Temperaturen im Winter“, fügt der an subtropisches Klima gewöhnte Indonesier lachend und in gutem Deutsch hinzu.

Major Dion Aridito an seinem Arbeitsplatz im Cockpit der C130 Hercules
Major Dion Aridito an seinem Arbeitsplatz im Cockpit der C130 Hercules (Quelle: Privat)Größere Abbildung anzeigen

Pilot und Ausbilder

In seiner Heimat sind Temperaturen und Distanzen ganz andere. Wenn Aridito von seinem Wohnort Jakarta zu seinem Dienstort nach Yogyakarta reist, ist das ein Weg von fast zehn Stunden. Dion Aridito ist Pilot einer C130 Hercules bei der indonesischen Luftwaffe. Zurzeit dient er aber an der indonesischen Luftwaffenakademie als Ausbilder.

Auf den Lehrgang nach Deutschland kam er per Auswahlverfahren. Insgesamt 200 Offiziere haben daran teilgenommen. Am Ende gehörte er zu den Glücklichen, die einen Lehrgang im Ausland besuchen durften. „Viele meiner Freunde sind zum Beispiel in die USA oder nach China gegangen. Ich habe immer von Europa geträumt“, erzählt Aridito.

Deutschland als Ziel

Seine Frau, Maria Kristiawati, hatte vor ihrem Studium am Goethe-Institut in Jakarta drei Monate Deutsch gelernt. Deutschland war immer eines ihrer Wunschziele. Dass ihr Mann ihr nun diesen Traum erfüllt hat, merkt man an der Begeisterung, mit der sie von Deutschland erzählt. Auf Deutsch und Englisch erzählt sie, dass sie viel reisen möchten, um so viel wie möglich von Europa und Deutschland kennenzulernen.

Deutsch als (Familien-)Ziel

Noch besser Deutsch lernen gehört auch zu ihren Zielen. Der älteste Sohn ist sieben Jahre alt, stellt sich auf Deutsch vor und zählt nach nur einem halben Jahr in Deutschland flüssig von Eins bis Zwanzig.

Oberstleutnant Günther und seine Familie halfen nicht nur bei so alltäglichen Dingen wie dem Autokauf, sondern sie sind für ihre Patenkinder aus Südostasien auch wichtige Trainingspartner für Deutsch als Fremdsprache. „Mittlerweile“, so erzählen der deutsche und der indonesische Offizier lachend, „telefonieren wir auch miteinander.“ Anfangs haben sich die beiden nur Textnachrichten geschickt. „Meine Antworten haben dann mit Wörterbuch schon mal eine halbe Stunde gedauert“, berichtet Dion Aridito lachend.

Länderübergreifende Win-Win-Situation

Das Lachen und die Freundlichkeit beider Familien wirken ansteckend. Man merkt, hier haben sich Menschen gefunden – eine länderübergreifende Win-Win-Situation. „Ich bin froh“, erklärt Andreas Günther seine Begeisterung für das Patenprogramm, „dass meine Kinder die Welt auf eine so interessante und direkte Weise kennenlernen können.“

Dion Aridito freut sich, neben einem Paten eine befreundete Familie gefunden zu haben. Auch von Hürth und dem Bundessprachenamt ist er sehr angetan. „Wir lernen hier Deutsch in einer professionellen, angenehmen Atmosphäre.“

Lebenslange Freundschaften

Nicht selten entstehen aus den Patenschaften lebenslange, weltumspannende Freundschaften. Die Familien Günther und Aridito werden ihre Freundschaft und den kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Indonesien in den kommenden Wochen und Monaten durch gemeinsames Kochen, Ausflüge und gegenseitige Besuche noch vertiefen.

Einen anderen deutsch-indonesischen Austausch gab es schon vor ein paar Monaten - auf dem Fußballplatz. „Mit unseren „Patenkindern“, erzählt Oberstleutnant Andreas Günther von einer kleinen Tradition, „haben wir immer „Länderspiele“ ausgetragen.“ Wer gewonnen hat? „Deutschland natürlich“, gibt Major Dion Aridito lachend zu und alle fallen in das Lachen ein. Daran merkt man, es ist ein Gewinn für beide Seiten.

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Stand vom: 23.03.18 | Autor: 


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