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Von Yaoundé an die Waterkant Teil 1

Noch trägt sie nicht die Schulterklappen mit dem brüllenden Löwen, aber für ihren Traum, Offizier zu werden kämpft sie mit aller Kraft
Noch trägt sie nicht die Schulterklappen mit dem brüllenden Löwen, aber für ihren Traum, Offizier zu werden kämpft sie mit aller Kraft (Quelle: PIZ Personal/Stephan Ink)Größere Abbildung anzeigen

Für seine Erfolge im Bereich „Deutsch als Fremdsprache“ erhielt das Bundessprachenamt am 13. Oktober 2018 den Kulturpreis Deutsche Sprache. Jedes Jahr absolvieren rund 700 Angehörige ausländischer Streitkräfte eine Deutschausbildung in Hürth. Einige davon stellen wir Ihnen hier vor.

Sie trägt Bundeswehrflecktarn und hat ihre komplette soldatische Ausbildung in der Bundeswehr absolviert, aber ihre Dienstgradabzeichen mit brüllendem Löwen zeugen von ihrer kamerunischen Heimat. Kadett Fanne Belal (20) kommt aus dem Norden Kameruns. 2016 trat sie in der Hauptstadt Yaoundé in die Armee ihres Landes ein, um Offizier zu werden. Der Weg zu ihrem großen Ziel führte die junge Frau zunächst zur Sprachausbildung am Bundessprachenamt in Hürth.

Jedes Jahr kommen im Rahmen der militärischen Ausbildungshilfe kamerunische Offiziersanwärter nach Deutschland, um ihre Offiziersausbildung bei der Bundeswehr zu absolvieren. Belal ist groß gewachsen, offen und herzlich, sehr an anderen Menschen und Kulturen interessiert – und eine Frau: genau genommen die Erste aus ihrer Heimatregion, die Offizier der kamerunischen Armee wird. Ihre Vorgesetzten wollen sie erstklassig ausbilden und fördern, damit sie ein Vorbild für andere junge Frauen werden kann. „Ich glaube, darum hat man mich nach Deutschland geschickt“, meint sie lächelnd.

Schnelle Fortschritte: Im Sommer 2017 spricht Kadett Belal beim Gebet der Religionen am Tag der Bundeswehr in Hürth
Schnelle Fortschritte: Im Sommer 2017 spricht Kadett Belal beim Gebet der Religionen am Tag der Bundeswehr in Hürth (Quelle: PIZ Personal/Harry Funk)Größere Abbildung anzeigen

Am Anfang eines langen Weges: Sprachausbildung in Hürth

Ihre erlebnisreiche Zeit in der Bundeswehr begann am 5. Oktober 2016 am Flughafen Köln/Bonn in einem weißen Y-Transporter, der sie zum Bundessprachenamt nach Hürth bringt. Für die damals 18-Jährige ein großer Schritt, alleine in einem neuen Land und fern von der eigenen Familie sowie ihren fünf Schwestern und einem Bruder. „Für mich war die erste Zeit nicht leicht. Ich war die einzige Frau im Lehrgang und habe gemerkt, wie anders als Kamerun Deutschland ist. Zum Beispiel gab es abends kaltes Abendbrot. Das war sehr ungewohnt für mich“, erinnert sich Belal mit einem Schmunzeln. Zunächst hat sie viel Kontakt mit anderen frankofonen Lehrgangsteilnehmern und die Angst, dass sie die anspruchsvolle Sprachausbildung nicht gut schafft.

Das Bundessprachenamt in Hürth wurde schnell ihre zweite Heimat – an das kalte deutsche Abendbrot musste sie sich aber erst gewöhnen
Das Bundessprachenamt in Hürth wurde schnell ihre zweite Heimat – an das kalte deutsche Abendbrot musste sie sich aber erst gewöhnen (Quelle: PIZ Personal/Stephan Ink)Größere Abbildung anzeigen

„Aber diese Zweifel habe ich zur Seite geschoben und es geschafft, weil es nur Kopfsache ist. Ich sagte mir, es lohnt sich nicht in Deutschland französisch zu sprechen!“, beschreibt sie den Entschluss sich voll in die Sprache und Kultur zu stürzen. „Von da an bin ich in der freien Zeit viel rausgegangen, raus aus der Stube und auf die Straße, um die Welt kennenzulernen, die Leute zu sehen, mit ihnen zu sprechen.“ Ihre größte Motivation sei ihr Vater, der sie bedingungslos in ihrem Traum Offizier zu werden unterstütze: „Ich spüre eine große Verantwortung für ihn, für meine ganze Familie und die Menschen zu Hause.“

Festlicher Patenabend des BSprA: Deutsch lernen ist hier mehr als reiner Spracherwerb; Kultur und gesellschaftlicher Zusammenhalt gehören auch dazu
Festlicher Patenabend des BSprA: Deutsch lernen ist hier mehr als reiner Spracherwerb; Kultur und gesellschaftlicher Zusammenhalt gehören auch dazu (Quelle: PIZ Personal/Stephan Ink)Größere Abbildung anzeigen

Zweite Heimat auf Zeit: Das Bundessprachenamt

Die Sprachausbildung am Bundessprachenamt bietet vielfältige Möglichkeiten, sie nutzte die Bibliothek, das Internet – und machte so rasch Fortschritte. Gemeinsam mit einem Bundespolizisten, der beim Bundessprachenamt französisch lernt, hat sie ein Sprach-Tandem gebildet. Gegenseitig unterstützten sie sich beim Lernen und der damals 23-Jährige lud Belal über Weihnachten zu seiner Familie ein. „Das war echt – wow. Als Muslimin kannte ich Weihnachten nur aus dem Fernsehen und es dann in einer Familie mit den deutschen Traditionen mitzufeiern, war ein tolles Erlebnis!“.

Ihre Lehrer erinnern sich mit Freude an die wissbegierige und fleißige Schülerin. Bei Oberstleutnant Wolfhart Rakebrandt lernte die Kamerunerin erste militärische Begriffe, gleich auf Deutsch, denn in den fünf Monaten als Soldatin in Yaoundé hatte sie noch keine Grundausbildung genossen. Rakebrandt ist Lehrstabsoffizier und damit für die militärfachlichen Aspekte der Sprachausbildung zuständig: „Kadett Belal war eine hervorragende Lehrgangsteilnehmerin! Weil sie so gut war, habe ich sie mit großer Freude im Jahr nach ihrer Sprachausbildung eingeladen, beim Kadetteninformationstag die Offizierausbildung vorzustellen“.

Auch Belal zieht ein positives Fazit ihrer ersten zehn Monate in Deutschland: „Nicht nur der Unterricht zu militärfachlichen Begriffen bei Herrn Rakebrandt war lehr- und abwechslungsreich und hat großen Spaß gemacht – alle meine Lehrer am Bundessprachenamt waren toll!“

Doch dies ist erst der Anfang, denn ihre Sprachausbildung war nur der erste Schritt auf einer langen Reise, die sie nach militärischen Ausbildungen in Hammelburg und Dresden bis an die Waterkant führt – zum Feldjägerdienstkommando Wilhelmshaven.


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Stand vom: 31.10.18 | Autor: 


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