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Wenn ein ewiger Held wieder zur Schule geht

Vielen dürfte der Wasserspringer Sascha Klein aus dem TV-Format „Ewige Helden“ bekannt sein. Sascha Klein hat als Sportsoldat der Bundeswehr eine mehr als beeindruckende Karriere absolviert.  Seine Bilanz: mehrere Titel als Deutscher Meister, Europameister und 2013 der Weltmeistertitel. 2008 gewann er zudem die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Peking. Mit dem Ende seiner aktiven Karriere gilt es für den Ausnahmesportler einen Wiedereinstieg in das zivile Leben zu planen. Nach Beratung und Planung durch den Berufsförderungsdienst (BFD) besucht Klein nun die Bundeswehrfachschule in Köln, um das Fachabitur nachzuholen. Wir haben ihn zum Interview getroffen.

Herr Klein, wie ist es denn als „ewiger Held“ die Schulbank zu drücken?

Die Aufzeichnung der „ewigen Helden“ liegt nun schon einige Monate zurück, da war ich auch noch nicht hier an der Schule. Die Anfrage dazu kam direkt nach meinem Karriereende und dafür habe ich mir auch die Zeit genommen. Dabei hatte ich aber schon die Zeit an der Bundeswehrfachschule im Kopf.

Wie sind Sie eigentlich damals zur Bundeswehr gekommen? Sie sind ja mehr als 14 Jahre Sportsoldat gewesen. War das für Sie schon immer eine Option, Zufall, oder gab es einen anderen Beweggrund?

Das war eher so eine Entwicklungsgeschichte. Ich habe mit acht Jahren mit dem Wasserspringen angefangen und wurde da mehr oder weniger hingetragen. Ich war in der Jugend nicht immer der Beste, das entschied sich so nach der Realschule, wo man sich gefragt hat, ob man es nicht doch professionell machen will oder aufhören möchte, um einen Beruf zu erlernen. Mein Trainingskamerad und ich waren zeitgleich mit der Schule fertig und haben dann beide den Entschluss gefasst, unsere Karriere weiter fördern zu lassen, in dem Fall durch die Bundeswehr. Wir sind dann zusammen eingetreten. Von da an ging es nur bergauf. Wir hatten mehr Trainingszeit, dadurch sind wir immer besser geworden, bis hin zu den ganzen Erfolgen. Die Bundeswehr trägt da einen ordentlichen Anteil dran. Ohne wäre es nicht möglich gewesen, da in den Randsportarten die finanziellen Mittel fehlen, dass man diese professionell ausüben kann. Wenn man dann noch einem Beruf nachgeht, funktioniert das im Leistungssport nicht. Für uns war die Bundeswehr das „A und O“.

Sie blicken auf eine lange Karriere zurück, mit vielen Erfolgen. Jetzt sind sie an der Bundeswehrfachschule. Was machen Sie hier, oder anders gefragt, warum sind Sie nach Köln gekommen?

Es hat sich in den letzten Jahren abgezeichnet, dass ich meine Karriere beende. Im Wasserspringen ist man mit 30 nicht mehr der Jüngste und es stand immer die Frage im Raum, was danach kommt. Das schiebt man gerne in der aktiven Zeit so vor sich weg, weil man mit Training und Wettkämpfen ausgelastet ist, aber irgendwann sitzt man dann doch beim BFD-Berater und informiert sich über eine mögliche Zukunft. Für mich stand es dann in den letzten zwei Jahren eigentlich schon fest, dass ich zur Bundeswehrfachschule gehe, um mein Fachabitur nachzuholen, das ich damals nicht geschafft habe. Ich ging nach dem Realschulabschluss direkt zur Bundeswehr, um mich voll dem Sport zu widmen. Dass die Bundeswehr anbietet, solche Maßnahmen in Anspruch zu nehmen, das ist schon sehr gut. Das finde ich top. Ich bin total happy, dass ich hier sein kann und hänge mich natürlich gut rein, um gute Noten zu bekommen.

Sascha Klein im Gespräch mit anderen Schülern
Sascha Klein im Gespräch mit anderen Schülern (Quelle: PIZ Personal/Dennis Kraft)Größere Abbildung anzeigen

Es ist eine relativ kleine Schule, mit verhältnismäßig vielen Lehrern. Sie besuchen derzeit den Vorbereitungskurs für die Fachhochschulreife. Was haben Sie für Fächer?

Der Kurs dauert ein halbes Jahr und besteht aus sieben Fächern. Neben den Hauptfächern Deutsch, Mathe und Englisch auch noch Biologie, Politik, Chemie und Geschichte.

Also die klassischen Schulfächer?

Ja, aber man hat schon ordentlich zu tun. Ich bin so ein Typ, der sich jeden Abend dann noch einmal eine Stunde hinsetzen muss, um alles nachzuarbeiten. Sonst sitzt man eines Tages dann vor einem riesigen Berg und kommt damit nicht mehr zurecht. Ich finde es hier gut strukturiert. Die Lehrer machen das hier sehr gut und bereiten uns wirklich super auf die H-Klassen vor (Anm.d.Red. Fachhochschulreife-Klasse). Ich habe hier schon viel mitgenommen und ich freue mich auf die H-Klasse, um meinen Abschluss zu machen.

Unterrichtssituation an der Bundeswehrfachschule
Unterrichtssituation an der Bundeswehrfachschule (Quelle: PIZ Personal/Dennis Kraft)Größere Abbildung anzeigen

Jetzt handelt es sich bei Ihrem Unterricht ja nicht um den klassischen Schulunterricht, sondern eher um Erwachsenenbildung. Gehen die Lehrer denn auch darauf ein, dass Sie Erwachsene sind?

Ja, man kann das natürlich nicht mit einer normalen Schulklasse mit 17- oder 18-Jährigen vergleichen. Wir sind natürlich in der Erwachsenenbildung. Viele Schüler haben Familie und Kinder. Da muss selbstverständlich Rücksicht drauf genommen werden, wenn man vielleicht mal einen Tag zu Hause bleiben muss, weil das Kind krank ist. So etwas wird berücksichtigt. Im Unterricht wird mit uns so umgegangen, wie man es erwartet.

Sie wollen das Fachabitur nachholen, was kommt danach?

Bis zum Fachabitur dauert es noch etwas. Dann stehen mir viele Berufswege offen. Ich weiß noch nicht hundertprozentig, wo der Weg hingehen soll. Eine Richtung wäre im öffentlichen Dienst bei der Polizei. Zoll wäre auch eine Variante. Auf der anderen Seite hatte ich immer überlegt in die soziale Schiene zu gehen und etwas in dieser Richtung zu studieren. Schlussendlich habe ich auch noch die Physiotherapie als Möglichkeit, das geht schon wieder zurück in die sportliche Schiene. Aber ich bin da noch völlig offen. Ich denke, dass wird sich auch hier an der Schule noch herauskristallisieren, was es denn am Ende wird.

Gibt es denn hier an der Schule so etwas wie Infotage? Werden Sie da in ihrer Entscheidungsfindung noch begleitet?

Die Schule ist sehr gut vorbereitet auf so etwas. Wir haben hier viele Informationstage. Polizei, Land, Bund, Zoll und andere haben hier schon Vorträge gehalten. Wir haben hier auch Bewerbertrainings und Profilings und die zeigen, was einem liegt und was nicht.

Ist Profiling dann so zu verstehen, dass jemand ein Gespräch mit Ihnen führt und anschließend sagt, „Beruf X“ passt am besten zu Ihnen?

Genau, wir bekamen da einen Fragenkatalog, wo wir so um die 90 Fragen beantwortet haben und daraus ergab sich dann ein passendes Berufsbild. Im Endeffekt muss aber natürlich jeder für sich selbst entscheiden, was er machen möchte.

Letzte Frage: Wo sehen Sie sich in fünf bis zehn Jahren, Herr Klein

In fünf bis zehn Jahren möchte ich einen Beruf haben, der mir gefällt und dadurch abgesichert sein. Da ich ja mittlerweile auch Vater bin, ist mir das sehr wichtig. Ich sehe mich, dank der Bundeswehrfachschule Köln auf einem guten Weg. Mit einer BFD-Zeit von insgesamt fünf Jahren sollte das auch absolut machbar sein. Und wer weiß: Es gibt für mich immer auch die Möglichkeit, in den Trainerbereich zu gehen. Ich arbeite ja schon im Jugendbereich und kann mir gut vorstellen, mein Wissen an dieser Stelle weiterzugeben. Wichtig war und ist mir im Moment aber jetzt erst einmal das zweite „Standbein“ mit Hilfe der Bundeswehr, des Berufsförderungsdienstes und der Bundeswehrfachschule aufzubauen.

Vielen Dank.


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Stand vom: 27.06.18 | Autor: 


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