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Helfen durch „machen“ – Soldat, Student und Fußballtrainer

Soldat, Student und Fußballtrainer: Fähnrich Volkan Karanfil

Soldat, Student und Fußballtrainer: Fähnrich Volkan Karanfil (Quelle Karanfil/Privat)Größere Abbildung anzeigen

München, 02.02.2016, Volkan Karanfil/Lars Koch.
Die Traglufthalle in Unterhaching dient als Unterkunft für knapp 300 Flüchtlinge. Auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände, das einst Heimat des Luftwaffenmusikkorps 1 war, leben, essen und schlafen die vornehmlich jungen Männer auf 1.200 Quadratmetern. Damit die Tage nicht zu trist werden, engagieren sich viele ehrenamtliche Helfer. Einer von ihnen: Volkan Karanfil – Offizieranwärter bei der Bundeswehr und Student an der Universität der Bundeswehr in München. Ein persönlicher Bericht.

Mein Name ist Volkan Karanfil und ich studiere Bildungswissenschaften an der Universität der Bundeswehr in München. Neben dem Studium bin ich gerne sportliche unterwegs, am liebsten spiele ich Fußball. Aber ich möchte mich auch gerne sozial engagieren. Da traf es sich gut, dass der Helferkreis der Arbeiterwohlfahrt ehrenamtliche Helfer gesucht hat, die für die Flüchtlinge in der Traglufthalle in der Biberger Straße ein Sportprogramm auf die Beine stellen sollten.

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„Talentschmiede“ für die Region

Mein Hilfsangebot wurde angenommen und so trainiere ich nun zusammen mit einem Kameraden von der Universität jeden Montag eine kleine Fußballmannschaft in der Sporthalle in Unterhaching. Meist sind es 10 bis 20 Männer im Alter zwischen 17 und 30, die mit Freude und Engagement an unserem Training teilnehmen. Wir konnten sogar schon das eine oder andere Jungtalent an die Mannschaften in der Region weiterempfehlen.

Großgeschriebene Gastfreundschaft: Karanfil (m.) beim gemeinsamen Mittagessen in der Traglufthalle (Quelle: Karanfil/Privat)Größere Abbildung anzeigen

Vor jedem Training ist die Spannung, wie viele dabei sind, aber immer groß. Wir treffen uns in der Regel in der Traglufthalle und gehen dann gemeinsam die rund 15 Minuten Fußweg zum Trainingsgelände. Manchmal haben sich viel zu viele Interessenten eingefunden, um ein sinnvolles Training abhalten zu können, manchmal sind es zu wenig. Ich glaube, das liegt daran, dass wir uns meist kurz nach dem Mittagessen treffen und noch nicht alle zu Ende gegessen haben, wenn ich dort ankomme. Das Schöne daran ist aber, dass ich dann in den Genuss der für den orientalischen Raum üblichen Gastfreundschaft komme. Nicht erst einmal haben wir gemeinsam gegessen und manchmal durfte ich auch am für Moslems üblichen Mittaggebet teilnehmen. Ich selbst habe einen türkischen Migrationshintergrund und so ist mir der islamische Glaube und seine Kultur nicht fremd.

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„Five Minutes!“ – nicht immer fünf Minuten …

Das ist aber nicht der einzige kulturelle Berührungspunkt. Beim Stichwort „Pünktlichkeit“ merkt man das, was auch als „orientalische Gelassenheit“ bezeichnet werden könnte. Vor einigen Wochen beispielsweise wollte ich mit meinem Team zum Training gehen – doch die Wenigen, die auf mich warteten, waren noch im Pyjama und auf Badeschlappen. Auf meine Bitte hin, sich für das Training anzuziehen, sagten sie mir nur „in five minutes!“. Nach zehn Minuten schickte ich einen der Sportler zu seinen Freunden, er solle bitte nachschauen, wo sie bleiben. Leider kam er selber auch nicht zurück, sodass ich nach weiteren zehn Minuten einen zweiten hinterher schicken musste. Aus den angekündigten „five minutes“ können also schnell mal 30 werden. Das kenne ich aber bereits aus der türkischen Heimat meiner Eltern und plane stets 30 Minuten extra ein – sicher ist sicher.

Mit Herzblut bei der Sache: auspowern beim Training (Quelle: Karanfil/Privat)Größere Abbildung anzeigen

Wenn wir dann endlich in der Sporthalle ankommen, sind die Männer wie ausgewechselt. Obwohl die meisten älter sind als ich selbst, werden sie schlagartig wie kleine Jungs, wenn der Ball erst einmal rollt. Wie wild rennen sie durch die Halle und für mich entsteht der Eindruck, dass viele durch ihren sportlichen Ehrgeiz den aufgestauten Frust loswerden wollen. Dabei geht es aber stets fair zu. Das Fairplay ist ein weiterer Grund, warum mir mein Engagement so viel Spaß macht.

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Sport verbindet

Viele der Flüchtlinge, die ich betreue, hatten nie eine richtige Jugend oder Kindheit, da sie in den Ländern, aus denen sie kommen, meist schon früh große Verantwortung übernehmen mussten. Manchmal habe ich das Gefühl, dass sie beim Sport Versäumtes nachholen möchten.

Das Sprichwort „Sport verbindet“ trifft hier jedes Mal zu. Die jungen Männer sind sichtlich dankbar, dass ich ihnen durch mein Engagement diese Chance eröffne. Gezollt wird das durch einen hohen Respekt, der mir entgegengebracht wird. Und mir selbst bereitet es eine riesige Freude, wenn ich in die strahlenden Gesichter schaue. Mir wird das Gefühl gegeben, dass die Flüchtlinge für einen kurzen Moment die Sorgen um ihre Familien hier und vor allem in ihrer Heimat vergessen können.

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Ein Dank an die Löwen!

Eine besondere Freude machte uns vor kurzem ein Freund von mir, der Trainer einer Jugendmannschaft des TSV 1860 München ist: wir erhielten einen kompletten Satz ausrangierter Trikots, Hosen und Stutzen von dem Zweitligaverein. Sogar ein paar Fußballschuhe waren dabei. Auch wenn wir spielerisch vielleicht noch nicht ganz so weit sind – wenigstens erkennt man uns auf dem Platz jetzt als Mannschaft!

Ein starkes Team (Quelle: Karanfil/Privat)Größere Abbildung anzeigen

Alles in allem, bin ich sehr froh, dass ich helfen kann und diese Hilfe auch wertgeschätzt wird und ich hoffe noch sehr, dass ich noch vielen Menschen helfen kann.

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Stand vom: 05.02.16 | Autor: 


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