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Reden mit Händen und Füßen

Tobias freut sich über das Praktikum im BAPersBw.

Tobias freut sich über das Praktikum im BAPersBw. (Quelle PIZ Personal/Harry Funk)Größere Abbildung anzeigen

Köln, 07.03.2016.
Tobias Stephan ist 17 Jahre alt und seit seiner Geburt gehörlos. Er besucht die Johann-Joseph-Gronewald-Schule in Köln. Eine Schule für hörgeschädigte Kinder. Durch die Bezirksschwerbehindertenvertretung des Bundesamtes für das Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw) hatte Tobias nun die Möglichkeit, ein dreiwöchiges Schülerpraktikum im BAPersBw zu machen.

Als ich von diesem Vorhaben erfuhr, wurde ich hellhörig und war direkt „ganz Ohr“. Diese Geschichte wollte ich unbedingt erzählen. Ein gehörloser Schüler als Praktikant bei uns. Wie aufregend. Nervosität machte sich bei mir breit, als mir Frank Gertz von der Bezirksschwerbehindertenvertretung des BAPersBw mitteilte, er käme jetzt mit dem Tobias vorbei. Alles, was ich wusste war, Tobias ist 17 Jahre alt und seit seiner Geburt gehörlos. Einige Fragen schossen mir durch den Kopf. Wie verständige ich mich mit dem jungen Menschen? Wird Tobias mich auch verstehen? Ob mir Tobias von den Lippen ablesen kann? Ich denke, diese Fragen stellt sich nur jemand, der zu der Personengruppe der Gehörlosen noch keinen sonderlichen Kontakt hatte. Ich gebe zu, da waren von meiner Seite gewisse Berührungsängste vorhanden. Aber: Wo ein Wille, da ein Weg.

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Mit Block, Bleistift und Bildschirm

Tobias und ich sitzen gemeinsam an meinem Arbeitsplatz. Der Block und der Stift gehen immer hin und her. Wenn es mal schnell gehen muss, dann helfen uns die Tastatur und der Bildschirm. Die Art, wie sich das Gespräch entwickelt, ist für mich recht ungewöhnlich. Aber es funktioniert super. Witzigerweise stelle ich an mir fest, wie ich versuche, gewisse Dinge über einen gewissen Gestus oder die Mimik zu erzählen. Verrückt.

Frank und Tobias. Block und Bleistift: Unverzichtbar!

Frank und Tobias. Block und Bleistift: Unverzichtbar! (Quelle: PIZ Personal/Harry Funk)Größere Abbildung anzeigen

Einfache Fragen stellen sich mir. Ich bin beispielsweise sehr musikbegeistert. „Musik nehme ich auch wahr“, sagt Tobias. „Allerdings über die Schwingungen der Bässe. Ich sehe die Musik eher. Wenn ich Künstler im Fernsehen sehe, die auf einem Instrument spielen, dann kann ich das schon begreifen. Ludwig van Beethoven war immerhin auch taub, während er seine großen Kompositionen hervorbrachte.“

Über Distanz hilft der Beamer bei der Verständigung

Über Distanz hilft der Beamer bei der Verständigung (Quelle: PIZ Personal/Harry Funk)Größere Abbildung anzeigen

Übrigens: Der Ausdruck „taub-stumm“ wird von Gehörlosen als beleidigend empfunden. „Sag‘ einfach ,taub‘ oder ,gehörlos‘. Stumm sind wir ja nicht. Ich kann mich doch gerade Dir gegenüber mitteilen. Und durch die Gebärdensprache bin ich durchaus in der Lage, mich verständigen zu können.“

Ich stelle gerade fest: Eigentlich bin ich hier gerade der Stumme. Denn ich beherrsche die Gebärdensprache nicht. So gesehen bin ich „gebärdenblind“ oder „gebärdensprachbehindert“. Empathie ist wichtig.

Tobias macht sich mit der Struktur des BAPersBw vertraut.

Tobias macht sich mit der Struktur des BAPersBw vertraut. (Quelle: PIZ Personal/Harry Funk)Größere Abbildung anzeigen

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Mit vollen Händen spricht man nicht

In Deutschland leben rund 14 Mio. Hörbehinderte – davon sind ca. 80.000 gehörlos, etwa 200.000 Menschen kommunizieren in Gebärdensprache. "Gebärdensprache ist einfach unglaublich visuell", sagt Birgit Brock. Sie ist die Lehrerin von Tobias. "Gebärdensprache ist eine vollwertige Sprache, genauso wie jede andere Sprache. Deswegen würden sich die meisten Gehörlosen auch nicht als behindert sehen.“

Ich sehe, wie sich Tobias mit seiner Lehrerin unterhält. Dieser Ausdruck im Gesicht, der ganze Körper, der mitspricht, das ist bei dieser Sprache schon etwas ganz Besonderes. Gehörlose kommunizieren miteinander in der Deutschen Gebärdensprache (DGS), ihrer Muttersprache, die seit 2002 eine anerkannte Sprache ist. Diese Sprache hat eine ganz andere Grammatik und damit einen völlig anderen Satzaufbau als die deutsche Lautsprache, weshalb die meisten Gehörlosen Probleme mit dem Textverständnis haben. Adverbiale Bestimmungen der Zeit stehen am Satzanfang, Verben werden sowohl nach dem Subjekt als auch am Ende des Satzes gebärdet.

Tobias lehrt mich Gebärdensprache

Tobias lehrt mich Gebärdensprache (Quelle: PIZ Personal/Harry Funk)Größere Abbildung anzeigen

Schließlich frage ich Tobias, ob er mir was beibringen kann. Tobias bereitet eine Liste mit Begriffen vor. Länder und Städte der Erde. Ich sehe ihm aufmerksam zu und versuche, ihm die Bewegungen nach zu machen. Man muss schon gut aufpassen, sonst bekommt ein Begriff durch eine falsche Bewegung eine ganz andere Bedeutung. Es braucht Fingerfertigkeit, aber es macht Spaß.

„Alle Hände voll zu tun“

„Alle Hände voll zu tun“ (Quelle: PIZ Personal/Harry Funk)Größere Abbildung anzeigen

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Wie es Tobias im BAPersBw gefallen hat, dass soll er uns am besten selbst sagen.

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Stand vom: 15.03.16 | Autor: 


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