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Flieger Kulke: Der Dienstantritt

Es ging dann doch alles sehr schnell. Mitte November saß Aaron bei der Bundesagentur für Arbeit in Bergisch Gladbach und hörte einem Karriereberater bei dessen Vortrag über die Bundeswehr zu. Gerade Mal sechs Wochen später heißt es: Stillgestanden! Dienstantritt bei der Luftwaffe. Das neue Jahr beginnt für ihn fernab der Heimat, in einem völlig unbekannten Umfeld. Er ist aber nicht der einzige. Über 9.600 junge Männer und Frauen haben sich 2015 für diesen Weg entschieden.

Aaron betritt zum ersten Mal das Gebäude 4 der Südpfalz-Kaserne in Germersheim. (Quelle: PIZ Personal/Jörg Dilthey)Größere Abbildung anzeigen

Ganz schön aufgeregt ist er, der Aaron. Und nicht nur er. Auch ich bin schwer nervös. Laut Einberufungsbescheid sollte sich der 18-Jährige bis 15 Uhr in der Südpfalz-Kaserne in Germersheim einfinden. Während die restlichen rund 100 Rekruten nach und nach bei der 1. Kompanie des Luftwaffenausbildungsbataillons eintrudeln, fehlt von Aaron jede Spur. Hat es sich der junge Mann etwa anders überlegt? Ist die Bundeswehr doch nicht so seins? Viele Fragen schießen mir durch den Kopf. Wenn es so sein sollte, wie erzähle ich meine Geschichte zu Ende? Schließlich ist der Dienstantritt Aarons als Finale meiner kleinen Artikelserie zu verstehen. Es ist bereits 14.45 Uhr und mein Protagonist ist immer noch nicht da.

Wo ist Aaron?

„Sag mal Jörg, wo ist denn nun dein Rekrut?“ hallte es über die langen Gänge. Mittlerweile war Aaron schon „mein“ Rekrut. Auch bei den vielen Ausbildern sind meine Geschichten über den jungen Bundeswehrbewerber angekommen. Alle waren voller Erwartung, den Aaron, den sie aus meinen Beiträgen kannten, kennenzulernen. „Ruf doch mal den Karriereberater an. Wie war doch gleich sein Name?“ „Stabsfeldwebel Bernd Stein“ erwiderte ich und fand die Idee prima. Ich erinnerte mich, dass er Aarons Mobilnummer hatte. Aber leider ging meine Kontaktaufnahme ins Leere. Zur Beruhigung trug dieser Vorfall nun nicht gerade bei. Um 15.13 Uhr öffnete sich die Eingangstür und ein fix und fertiger Aaron Kulke stand, von Schweiß und Regen durchnässt, im Eingangsbereich. Ich hatte ihn erst gar nicht erkannt. Die letzte Etappe seiner Anreise war etwas schwierig – Aaron hatte den Zug verpasst.

„Einchecken“ einmal anders: Stubenzuweisung, Vorhängeschloss, Bettwäsche, Kleiderbügel und Laufzettel. (Quelle: PIZ Personal/Jörg Dilthey)Größere Abbildung anzeigen

Aaron ist da

Es geht auch direkt los. Es hat schon was von „Einchecken“ in einem Hotel. Der Komfort ist nur ein anderer und der Umgangston ist freundlich sachlich. Es werden von Aaron persönliche Dinge abgefragt. Name, Personenkennziffer und Einberufungsbescheid. Es ist die erste Station von dreien, die der neue Flieger, so sein Dienstgrad, heute durchlaufen muss. Aber er bekommt auch was: Bettwäsche, Kleiderbügel, Vorhängeschloss und einen Laufzettel. „Stube 302 ist ihre,“ informiert ihn der junge Hauptgefreite am Meldekopf.

Stube 302. (Quelle: PIZ Personal/Jörg Dilthey)

Dritte Etage. Durch den langen Flur. Dieses Gebäude hat bestimmt schon viele Soldaten beherbergt, denkt sich der frisch gebackene Soldat. „Die Möblierung ist eher übersichtlich und die Privatsphäre werde ich mir wohl in den nächsten drei Monaten mit drei Kameraden teilen,“ prophezeit Aaron. Kurz die Wertsachen und die persönlichen Dinge im Spind verstaut, geht es auch schon direkt weiter zur zweiten Station.

Die zweite Station. Viele organisatorische Dinge ... (Quelle: PIZ Personal/Jörg Dilthey)Größere Abbildung anzeigen

Hier werden die Unterlagen für den Rechnungsführer ausgefüllt. Aaron will ja schließlich auch den Wehrsold, also sein Gehalt, allmonatlich auf seinem Konto sehen. Im militärärztlichen Fragebogen werden Informationen zum Gesundheitszustand der Rekruten abgefragt. Die neuen Soldaten müssen zudem erklären, in welcher Wohnsituation sie sich aktuell befinden. Aaron wohnt noch bei seinen Eltern.

... sind am ersten Tag zu erledigen. Auch bei der dritten und letzten Station. (Quelle: PIZ Personal/Jörg Dilthey)Größere Abbildung anzeigen

Alles erledigt, wartet Station drei. Hier werden die vorhandenen Unterlagen mit den Informationen, die sich im Computersystem befinden, verglichen und aktualisiert. Fehlende Zeugnisse und Gesellenbriefe werden in die Personalakte geheftet. Der Personalbogen wird auf den aktuellen Stand gebracht. „Mittlerweile hat sich meine Aufregung gelegt. Ich bin gespannt auf meine Zimmerkameraden,“ so Aaron.

Bett beziehen

Viel Zeit zum Durchatmen hat Aaron nicht. Das Nachtlager muss gerichtet werden. „Das ist irgendwie ganz anders als daheim. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass das Bettlaken schwer zu zähmen ist. Es macht einfach nicht das, was ich will. Ich hoffe, dass wir den richtigen Kniff noch lernen werden.“ Ganz bestimmt sogar.

Aaron kniet sich mächtig rein. Bettlaken mit Eigendynamik. (Quelle: PIZ Personal/Jörg Dilthey)Größere Abbildung anzeigen

Shoppen ohne zu bezahlen

Die Einkleidung steht auf dem Programm. Aaron ist unsicher, was seine Kleidergrößen angeht. Aber die Dame in der Bekleidungskammer hat ein geschultes Auge. Ein Blick und ein Griff in das Regal reichen, um dem jungen Soldaten das richtige Outfit zu verpassen.

Die Hose hat schonmal gepasst. (Quelle: PIZ Personal/Jörg Dilthey)Größere Abbildung anzeigen

Feldblusen, Handschuhe und Kampfstiefel, Stück für Stück wandert in den „Einkaufswagen“, für den Aaron keinen Euro bereithalten muss. Rund 100 Teile werden es am Ende sein, die er in seinem Schrank unterbringen muss.

"Das ist echt bequem. Gefällt mir ..." (Quelle: PIZ Personal/Jörg Dilthey)Größere Abbildung anzeigen

Erstes Antreten

Gegen 20 Uhr, nachdem alle Rekruten den Weg nach Germersheim gefunden hatten, werden sie begrüßt. Wichtige Dinge gibt es zu vermitteln. Und zwar von Stabsfeldwebel Sascha Kaufmann. Er ist der dortige Spieß. Als "Mutter der Kompanie" und enger Mitarbeiter des Kompaniechefs ist er für die organisatorischen Belange des Dienstbetriebes verantwortlich. Kennzeichen des Kompaniefeldwebels ist übrigens eine gelbe Kordel: „Uns ist wichtig, wofür die Bundeswehr steht. Für Kameradschaft, ein sicheres und gutes Einkommen und Karrierechancen in den verschiedensten Bereichen. Wichtig ist uns aber auch, was die Bundeswehr auf keinen Fall duldet: Radikalismus, sowohl von rechts als auch von links, Drogenkonsum, Diskriminierung und körperliche Auseinandersetzungen.“

Aarons Kameraden. (Quelle: PIZ Personal/Jörg Dilthey)

Der lange Tag neigt sich langsam dem Ende. Kaufmann resümiert: „Mittlerweile haben wir zwar sehr viel Routine in diesem Geschäft, aber mir ist es wichtig, dass wir den jungen Menschen einen ruhigen Dienstantritt gewährleisten, dass wir einen vernünftigen Umgangston mit den jungen Menschen haben. Glücklicherweise hat sich der Ablauf in den vergangenen Jahren sehr verändert. Wenn ich an meinen ersten Tag zurückdenke, hat sich da vieles zum Positiven verändert. Der Umgangston ist respektvoller. Damals lief der erste Tag wesentlich hektischer ab – im wahrsten Sinne des Wortes. Vieles musste im Laufschritt erledigt werden. Das ist überhaupt nicht angebracht.“

Der Spieß. Stabsfeldwebel Sascha Kaufmann. (Quelle: PIZ Personal/Jörg Dilthey)Größere Abbildung anzeigen

Es werden aber auch Erwartungen an die jungen Flieger gestellt. „Die Rekruten sollten Interesse am Beruf des Soldaten mitbringen. Das macht es auch nachher einfacher, ihnen die einzelnen Ausbildungsabschnitte zu vermitteln.“

Aaron ist geschafft vom ersten Tag. Er freut sich und ist gespannt auf die Dinge, die vor ihm stehen und die es zu überwinden gilt – im wahrsten Sinne des Wortes.

Um 23 Uhr ist Zapfenstreich. Absolute Ruhe ist gefordert. Immerhin werden die Rekruten um 5.30 Uhr wieder geweckt.

Unsere Geschichte ist damit zu Ende erzählt. Ich bedanke mich bei Aaron für seine Offenheit und wünsche ihm viel Glück bei seinem Werdegang in der Bundeswehr.

Autor und Protagonist (Quelle: PIZ Personal/Jörg Dilthey)Größere Abbildung anzeigen

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Stand vom: 14.01.16 | Autor: 


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